Foto: Ostfriese; Revekol im Morgennebel

Mein altes Heimatdorf Vietkow, Kreis Stolp in Pommern

Karte des Dorfes VIETKOW mit den Ortsteilen

Das Pommernlied: Wenn in stiller Stunde.......

http://www.youtube.com/watch?v=vbrjZsCaBcg&feature=related

Lebendiges Vietkow

Enny Schiewer malte ein Bild aus der Erinnerung und schrieb dazu folgendes Gedicht

Heimat Vietkow

 

So lange ich lebe bleibt dieses Fleckchen Erde, die Heimat, mein,

denn in all meinen Gedanken bin ich so oft und schnell daheim.

Haben Generationen unserer Väter und Mütter dieses Land mit Leben erfüllt,

danke ich ihnen auch jetzt noch

 

in der neuen Welt.

Enny Schiewer, ganz rechts auf dem nachstehenden Bild
Foto: Gerhard Schiewer. Birschen Martin erkennt folgende Personen von links: 2. Anna Schiewer, 4. Maria Schiewer, 5. An nemarie Hardies, darunter: Margarete Schiewer (Warnoch), 6. Frau Braun, 9. Erika Dirla, 11. Waltraud Reetz, 12. Enny Schiewer (Birschen)

Enny Lehr, geb. Schiewer mit Enkel Maximilian 1993

Foto: Lehr, "leider konnte es Mutter nicht mehr erfahren"
Foto: Gerhard Schiewer; Blick die Dorfstraße hinauf zum Hause des Fotografen
Gasthof Pirr, im Unterdorf

1940 wohnten in Vietkow folgende Familien (Aufzeichnung von Walter Pigorsch)

Arnold

Karl

Düffelmoaker

Bonnke

Walter

Krutbuck (Gärtner)

Bruder

Wwe.

Czirr

Gerhard

Eick

Adolf

Buhr Schiewre Adolf

Eick

Albert

Buhr Schiewre Albert

Eick

Karl

Buhr Schiewre Karl

Eick

Karl

vom Zlumok, Kleie Karlke

Eick

Martha

Buhr Schiewre Martha

Eick

Otto

Goldmann

Griechen

Herta

Griechen

Willi

Gruhlke

Franz

Heratsch

Richard

Schmädsch Richard

Hermann

Lehrer

Hoppen

Richard

Schlorkser

Howald

Hedwig

Knitter

Karl

Kritsch

Kropp

Karl

Kruppe Rohl

Kropp

Max

Lüttke

Willi

Leutnant

Manske

Paul

Marschke

August

Rinnen August

Martelock

Reinhold

Martelock

Wilhelm

Marz

Herbert

Masch

Wilhelm

Noffke

Erich

Pigorsch

Albert

Reetze Albert, Lupinebargsch Albert

Pigorsch

August

Kreigersch August

Pirr

Karl

Gasthaus Röske

Pollex

Johann

Ull Schult (der alte Bürgermeister)

Pollex

Lebrecht

Rittmeistersch Lebrecht

Pollex

Willi

Prien

Gustav

Reetz

Paul

Tänebräker (knirschte laut mit den Zähnen)

Schaar

Margarete

Schiewer

Adolf

Hilbranten Adolf

Schiewer

Adolf

Lipken Adolf

Schiewer

Albert

Behrschen (Beerzen) Albert

Schiewer

August

Lipken August

Schiewer

Franz

Lipken Franz (Johnken Hof)

Schiewer

Gerhard

Grachallen Gerhard

Schiewer

Gottfried

Kujaken Gottfried

Schiewer

Gustav

Grachallen Gustav

Schiewer

Hermann

Behrschen (Beerzen) Hermann

Schiewer

Karl

Bagdonksch Karl

Schiewer

Max

Lipken Max

Schiewer

Max

Pataren Max

Schiewer

Reinhold

Stawischen Reinhold

Schiewer

Walter

Dischers Walter, Hubel (Tischler)

Schiewer

Werner

Pataren Werner

Schiewer

Wilhelm

Bagdonksch Wilhelm (Schniedersch W.)

Schiewer 

Wilhelm

Klicken Wilhelm

Tschirr

Wilhelm

Melkfoahrer

Voll

Emil

Windmüller

Warnoch

Herbert

Warnoch

Wilhelm

Woggon

Otto

Zorr

Richard

Schuld(t)heiß, Schult, Dorfschulze, Dorfvorsteher, Gemeindevorsteher, BÜRGERMEISTER

Aufgaben eines Dorfschulzen – 1751 | Genealogie | Irmi Gegner-Sünkler


www.genealogie-tagebuch.de/.../aufgaben-eines-dorfschulzen-1751/ - Im Cache

 

Aufgaben eines Dorfschulzen – 1751

Publiziert am 11. Juli 2010 von Irmi Gegner-Sünkler

Am 22. September 1751 wird von König Friedrich II in Berlin eine ‘Erneuerte und verbesserte Dorf=Ordnung des Königreichs Preussen‘ ausgegeben.

In dieser sehr umfassenden Verordnung wird u.a. beschrieben, worin die Aufgaben eines Dorfschulzen bestehen.

‘Die Dorf=Schultzen müssen … ihr Amt wohl wahrnehmen, welches führnehmlich darin besteht: 1. den Bauren alle Königliche und Amts=Befehle deutlich bekannt zu machen, und was desfalls schriftlich an sie gekommen, gut zu verwahren. 2. Den Bauren die vom Amte verlangten Schaarwercks=Dienste gleich anzukündigen und sie zu deren Leistung anzuhalten. 3. Die Sachen, welche in der Gemeine wegen Pfändung, Haltung der Gehege, Bewahrung der Feuerstellen, Stege und Wege und was sonsten zur Nachbarschaft gehöret vorkommen, so fort zu besorgen. 4. Ueber dasjenige, was unten in dieser Dorf=Ordnung weiter vorgeschrieben ist, gebührend zu halten, 5. die Wieder=Besetzung der etwa noch wüsten Dorf=Hufen oder Höfe auf alle Weise zu befördern. 6. Die auf Königl. Pässe verordneten Abfuhren, Wolfs=Jagden und andere gewöhnliche Dienste richtig zu bestellen, 7. dem Beamten von der Bauren=Wirthschaft zuverläßige Nachricht zu geben und die üblen Wirthe anzuzeigen, auch sich überall dergestalt treu und fleißig zu bezeigen, wie es einem geleisteten Schultzen=Eyde gemäß ist’.

Der Schuld(t)heiß ist „ein Leistung Befehlender“. Der Dorfschulze hat des Landes- und des Grundherren die Gemeindemitglieder zur Leistung ihrer Schuldigkeiten (Abgaben und Arbeitsleistungen) anzuhalten. In Ostdeutschland war der Ortsschulze auch Richter in der „niederen Gerichtsbarkeit“ und somit Vollstrecker von Urteilen (Exekutivbeamter). Ab dem 16.Jahrhundert waren die Aufgaben aus der Dorfverwaltung obrigkeitsbestimmt. (wikipedia)

In preußischer Zeit gehörte Vietkow zu den sogenannten königlichen Dörfern, die dem Amt Schmolsin unterstanden.

Nach 1700 wird ein Mathias Schiewert als Schulze genannt.

Nach Brüggemann hatte Vietkow um 1784 mit dem Schulzen zusammen sieben Bauern, drei Kossäten, fünf Büdner und insgesamt fünfzehn Feuerstellen. Bauern und Kossäten mussten nach Schmolsin ihre Pacht und alle sonstigen Abgaben entrichten sowie Dienste mit Hand und Gespannen leisten. Jeder Bauer erhielt bei der Übergabe des Hofes einen Hofbrief, in dem das Inventar genau bezeichnet war. Neben den Arbeiten im Rahmen des Lehnsvertrages gab es auch solche, die bezahlt wurden, wie Brückenbau und Arbeiten in Stolpmünde. Für die Einhaltung aller Regularien war der Schulze zuständig. Die ihm übergebenen Unterlagen hatte er den Bürgern zu erklären und die Papiere aufzubewahren.

1822 hatte  Johann Pigorsch  dieses Amt inne und hatte als Zeuge bei der Durchführung von Maßnahmen (gegen säumige Zahler z.B.) bei den Amtshandlungen anwesend zu sein.

Nach 1900 wird Johann Pollex (Ull Schult) in Vietkow für die Einhaltung der Verpflichtungen gegenüber Verwaltung und Lehensherren  tätig.

Die gewählten Gemeindevertreter wählten dann aus ihrer Mitte den Gemeindevorsteher Wilhelm Schiewer (Klicken Willem),der im Juni 1941 verstarb, gefolgt wurde er von Reinhold Schiewer (Stawischen Reinhold). Der letzte Bürgermeister wurde durch die Russen nach Stolp verschleppt. Er kehrte nach 53 Tagen halb verhungert zurück und verstarb im Mai 1945 nach wenigen Tagen (Siehe Sterbeurkunde Standesamt Berlin I). 

Am Ende des 2.WK ist Paul Manzke der Vietkower Bürgermeister. Er wurde von der Militärverwaltung Vietkows wegen seiner Sprachkenntnisse eingesetzt. Er hatte es besonders schwer dadurch, dass er Aufträge der russischen Besatzung und der polnischen Verwaltung gegen seine Mitbürger durchsetzen sollte. So wurde er zum Verräter in den Augen des Dorfes.

Eines Tages erschien er auf dem Grundstück von Albert Pigorsch und hieß ihn alle Früchte seiner Obstbäume zu ernten und auf der Kommandantur abzuliefern.

„Du kannst mi am Oarsch licke!“ rief der und „Ick hebb choar kein Beem!“

Als Manzke gegangen war, wurde das Obst geerntet und versteckt. Dann hackte er wütend alle Obstbäume, die gerade Obst trugen (Birnen, Äpfel), ab.

Nachts gingen die Frauen und jungen Männer Kontrolle. Man verständigte sich mit dem „Jammerbrett“ (s. Alte Geschichten, Dat Jammerbrett), wenn Gefahr drohte. Zu „Ehren“ des Bürgermeisters sangen sie das Spottlied:

Dunkel war die Nacht

und kein Sternlein wacht.

Nur der Kater Manzke

schleicht herum ganz sacht.

Wenn sie ihn zu Gesicht bekamen, ertönte es: Miau, miau……..

Ein schweres Los für den Bürgermeister, wie auch für die Bürger.

 

 

Familie Manzke

1 Hildegard Manzke, 2 Siegfried Manske, 3 Hildegard Manske, 4 Martha Eick, 5 Brigitte Manske, 6 Ehefrau von Paul sen., 7 Paul Manzke jun., 8 Paul Manzke, der letzte deutsche Bürgermeister
Die Windmühlen von Vietkow

Die Vietkower Windmühlen

Die Vietkower Windmühlen

 

Bis kurz vor Ende des 2. WK standen in Vietkow 2 Windmühlen:

Eine Bockwindmühle und eine Holländerwindmühle. Diese Mühlen wurden hauptsächlich als Getreidemühlen (Schrot, Mehl, Kleie) oder auch als Pellmühlen (Graupen) eingesetzt.

 

Die Bockwindmühle oder Ständermühle ist der älteste Mühlentyp in Europa.

Das gesamte Mühlenhaus sitzt auf einem dicken Pfahl, der unter der Mühle durch einen Bock gestützt wird. Auf diesem Gestell kann die gesamte Mühlenkonstruktion durch einen außen angebrachten Balken (Steert) in den Wind gedreht werden. Diese Arbeit erforderte jedoch eine gehörige Kraft durch den Windmüller.

Die klassische  Bockmühlenregion ist der ostdeutsche Küstenbereich von Mecklenburg sowie Pommern,  Ost- und Westpreußen und Schlesien.

Bockwindmühlen sind noch heute im zentralen Polen eine Besonderheit. Bockwindmühlen sind besonders im Küstenbereich sehr anfällig gegen Sturm.

Diese Tatsache und Ihr geringer Rauminhalt haben diesen Mühlentyp fast vollständig verdrängt.

Die Bockmühle in Vietkow gehörte Emil Voll, der an der unteren Dorfstraße in seinem Kleinbauern - Haus wohnte und zum Betreiben der Mühle den Mühlenberg hinauf stieg. Neben der Landwirtschaft, die er mit einigen Kühen, die auch als Zugtiere eingesetzt wurden, betrieb, mahlte er nach Bedarf Getreide.

Die Mühle war auch für die Dorfjugend ein Magnet: Es wurden die wildesten Spiele zu einem ständigen Ärgernis für den Windmüller.

(Nach zu lesen in vielen Geschichten, die von Brunhilde Seddig aufgeschrieben wurden.)

Lit.: Brunhilde und Ingrid Seddig: „Bi oous tus“

Bestellung: info@seddig-fehrmann-architekten.de

 

1995 besucht der Enkel des Bockwindmüllers Voll Eberhard Breuer

die alte Heimat seiner Vorfahren und berichtet:

„Der Mühlenbesitzer Emil Johannes Gottlieb Voll war mein Großvater. Er wurde geboren im Jahre 1872 in Benzin, einem kleinen Ort südlich der Reichsstraße nach Danzig. Mein Urgroßvater kaufte 10 Jahre später den Windbock in Vietkow von Johann Rhode. Um 1900 setzte sich mein Urgroßvater auf das „Altenteil“ und überschrieb die Mühle seinem Sohn. Dieser betrieb sie dann auch bis zu seinem Tode um 1944.

Mein Großvater war wohl ein belesener Mann, hatte er doch viel Zeit in der Mühle, wenn das Korn seinen Weg vom Einfüllen bis zum fertigen Mehl nahm. Die Bibel kannte er daher besser als manch ein Pfarrer. Dabei war er nicht ungesellig, aber auch nicht angepasst, wie man heute so sagt.

Da er groß gewachsen war musste er in Berlin bei der Kaiserlichen Garde dienen. Ein Adliger aus der Nähe Vietkows diente etwa zur gleichen Zeit als Offizier bei der Garde. Man kannte sich, obwohl mein Großvater ja nur ein kleiner Rekrut war.

Später ließ dieser Adlige bei meinem Großvater einige Säcke Korn mahlen. Eine ganze Zeit stand das Mehl in der Mühle herum. Eines Tages erschien der Bursche des Adligen und fragte nach, wo denn das Mehl bliebe. Emil antwortete: „ Sage deinem Herren, von Vietkow zu ihm ist es genauso weit wie von ihm nach Vietkow!“ So wurde dann das Mehl auch abgeholt.

Bis nach dem 1. Weltkrieg hatte man als Müller sein Auskommen. So kam es, dass dieser oder jener aus dem Dorf sich Geld bei meinem Großvater lieh. Nie große Beträge aber es läpperte sich doch zusammen. Nun war er vor allem Müller, aber kein Geschäftsmann.  So kam es, dass nach dem 1. Weltkrieg der Wert des Geldes verfiel. In dieser Inflationszeit wurden plötzlich die Schulden bezahlt, schön eins zu eins!

Nach dem Tode meines Großvaters Ende 1944 musste die Mühle abgerissen werden. Es war kein Mann da, der den Windbock in die richtige Position zum Wind bringen konnte. Es bestand die Gefahr, dass die Mühle unkontrolliert umstürzen konnte und dabei Personen verletzt werden konnten.

Bei meinem Besuch in Vietkow im Jahre 1995 fand ich die Fundamente und einen Mühlstein oben auf dem Voll´ schen Mühlenberg!

 

Foto: EBreuer; Der Mühlstein und Fundamentreste der Vollschen Mühle 1995

Mühlenfotos

Bei dem 1931 aufgenommenen Bild mit den vier Frauen auf der "Stange" ist meine Mutter Charlotte, rechts. Sie ist auch auf der Treppe 1941. Wer die drei Frauen sind, ob meine Tanten oder aus dem Dorf ist mir nicht bekannt. Ebenso kenne ich nicht das Mädchen bei meiner Mutter auf dem anderen Bild.

 

Foto: EBreuer; Die Fichtenschonung umrahmte den Vietkower Friedhof

Der andere Müller

Foto: EBreuer; Meine Mutter Charlotte

 

Der Müller der andern Mühle (die hinter dem Dorfteich)

war wohl nicht der Fleißigste.

Mein Großvater machte ihm Vorhaltungen.

Der aber antwortete: „Siehst du die Vögel dort am Himmel, sie säen nicht, sie ernten nicht und sie sammeln keine Vorräte

in den Scheunen …..“ berichtet Eberhard Breuer

 

Holländerwindmühlen

Bei den Holländerwindmühlen ist der untere Teil gemauert, während der obere Teil in der Regel aus einer achteckigen Holzkonstruktion besteht. Diese Mühlen hatten auf einer wesentlich verbreiterten Fundamentfläche eine weitaus größere Standfestigkeit und boten mehr Platz für Waren und technische Ausstattung. Nur noch die Haube mit dem Flügelkreuz musste in den Wind gedreht werden, was anfänglich mit einer außen angebrachten Balkenkonstruktion (Bild 1), später mittels Windrose (Bild 2) automatisch erfolgte.

 

 

Holländerwindmühle mit Stellbalken oder Windrose

Die Holländerwindmühle in Vietkow

Die Holländerwindmühle in Vietkow

hatte eine Balkenkonstruktion, mit der der Mühlenkopf in den Wind gedreht wurde. Der gesamte Unterbau blieb stehen.

Die Mühle stand auf dem Berg rechts vor dem Ortseingang zu Vietkow, wenn man aus Richtung Gutzmerow kam.

Die Mühle gehörte August Schiewer (Lipken August).

Dieser vermietete die Mühle zuletzt an Franz Gruhlke.

Da die Mühle keine Wohnungen enthielt, wohnte der Windmüller im Hause des Vermieters mit seinen 2 Töchtern Elsbeth und Gerda, genannt „Mehlmaus“.

Gruhlke war ein geselliger Mensch, der auch in Theaterstücken der Dorfjugend mit spielte. Als der Müller im Jahre 1943 zum Militär eingezogen wurde – er fuhr mit dem Vietkower Walter Pigorsch einen Filmwagen der Propagandaabteilung – wurde die Mühle nicht weiter verpachtet. Die beiden Frauen waren nicht kräftig genug, die Mühle weiter zu führen, da das „In – den Wind – drehen“ über das Gestänge nicht von Ihnen bewältigt werden konnte. Die Mühle wurde 1944 abgerissen.

 

Eigentümer der Holländermühle: August Schiewer (Lipken August) auf dem Bild davor: Fritz Schiewer
"Der andere Müller" Franz G r u h l k e. Hier als Lastesel in dem Theaterstück: Wer schießt den Bock?

DIE SCHHULE

Bis 1836 hatte Vietkow noch keine eigene Schule, sondern eine gemeinschaftliche Schule mit den Dörfern Zietzen und Virchenzin. Ein Lehrer unterrichtete die Schüler aller drei Ortschaften. Schule und Lehrer wurden u.a. mit Brennmaterial versorgt.

Unter § 57 im Rezeß heißt es: “Der jedesmalige Schullehrer erhält aus den gemeinschaftlich verbliebenden Torfmooren alljährlich eine Quantität von 18.000 Soden, welche die Büdner ausstechen und trocknen, die bäuerlichen Wirte aber anfahren müssen und haben hierbei die drei Kossäten gegen einen Bauern zu leisten.”                                                 siehe auch:

<cite>www.wendisch-silkow.de/Vietkow/Vietkows.../vietkows_geschichte.html</cite> -

 

Dann wurde die Einrichtung von je einer Schule/Dorf beschlossen. Schulhaus und Ländereien der Schule wurden verkauft und das Geld an die einzelnen Gemeinden aufgeteilt. Im Jahre 1881 wurde die Vietkower Schule durch ein Feuer vernichtet. Das neue Schulhaus entstand 200 m nordwestlich der alten Schule (gegenüber der Gastwirtschaft August Pigorsch). Sie war 1932 einstufig. Ein Lehrer unterrichtete 48 Schulkinder. Die Lehrer hießen bis zum Ende des 2.WK: Hugo Schulz, Bruno Hermann und Walter Schnuchel. In der Gastwirtschaft von August Pigorsch wohnte bis zuletzt die Familie Seddig. Die langjährige Gemeindeschwester von Vietkow, Frau Hedwig Schiewer (98 J.) erzählt: „Der Lehrer Schulz war ein sehr guter Lehrer, bei dem ich gern zur Schule ging. Er wurde jedoch eines Tages auf Betreiben von „Kreigersch Oma“ (Berta Pigorsch, geb. Krause) nach Stolp versetzt. Die näheren Umstände sind mir nicht bekannt.“ Meine Mutter Edith Driese wohnte bei Seddigs, da sie nach dem Tode ihrer Mutter von ihrer Tante Gertrud aufgenommen worden war. Edith und auch die Geschwister Ingrid und Brunhilde Seddig gingen in Vietkow zur Schule. Brunhilde erzählt aus der Zeit eine Geschichte über die Schule in ihrem Buch „Bi ouus tus“ (s.linkliste)

Schulleiter Bruno Hermann und Schulleiter Schulz

Vietkower Volksschule 1928

unten rechts neben dem Mädchen: Heinz Gresens: Mitte: Fritz Schiewer; hinten neben Lehrer Schulz: Kurt Gresens
Schulgebäude von 1936
Foto: GSchiewer; Nr. 5 Hilde Schiewer, Nr. 7 Hedwig Manzke, Nr. 8 Edith Pigorsch, Nr. 10 Erich schiewer, Nr. 11 Lehrer Schulz, Nr. 21 Ulrich Czirr, 23 Irmgard ? (angenommenes Kind v. Max Schiewer), Nr. 24 Irmgard Zorr, 26 ? Martellok, Nr. 35 Richard Schiewer, Nr.36 Alfred Schiewer, Nr. 37 Erich Zorr

Sollte jemand weitere Namen kennen, BITTE NACHRICHT

Foto: GSchiewer; Volksschule Vietkow 1936

Volksschule VIETKOW 1936, Namenliste

Namenliste

(von oben nach unten, von links nach rechts, reihenweise)

 

1. Reihe: Fritz Griechen, Siegfried Eick, Alfred Schiewer, Erhardt Pigorsch, Erich Eick, Erich Zorr, Ernst Schiewer (Bruder von Alfred, mit Ball), Reinhard Eick, Werner Czirr, Kurt Griechen, Martin Reetz

 

2. Reihe: Hedwig Hoppen, Irene Tschirr, Marta Masch, Vera Czirr, Gerda Küttner, Edith Schiewer, Ehrengard Eick, Elsbeth Gruhlke, Anneliese Reetz, Gertrud Schiewer 1, Hildegard Griechen

 

3. Reihe: Gertrud Hildebrand, Ilse Pollex, Gertrud Schiewer (Lüpken), Gerda Gruhlke, Ilse Masch, Änne Schiewer, Dietrich Hermann, Lehrer Bruno Hermann, davor Ruth Schiewer, Lydia Borkowski, Waltraud Reetz, Anita Schiewer, Erika Dirla, Erika Masch, Annemarie Hardies

 

4. Reihe: Karl Lütke, Martin Schiewer, Gottfried Schiewer, Egon Schiewer, Max Wandersee, Elmar Tschirr, August Lütke, Fritz Reetz, Helmut Schiewer, Karl Eick, Leo Czirr

 

5. Reihe: Artur Kusch, Erich Hoppen, Ulrich Birr, Gerhard Pollex (Kroppen Ausbau), Horst Griechen, Günter Schiewer, Gerhard Pollex, Hubert Tschirr, Alfred Hardies

Eröffnung des neuen Sportplatzes vor der Schule

1935 fand die Einweihung des neuen Sportplatzes vor der Schule statt. Lehrer Herrmann und seine Ehefrau leiteten die Zeremonie. Die Schüler führten eingeübte Kunststücke vor. Im Hintergrund die Gaststätte Seddig (ehemals August Pigorsch) und das Stallgebäude (weiß) sowie die Vollsche Bockmühle.

Bericht von Brunhilde Stiefel (Seddig) aus: "Bi oous tus"

Die Schule war eines unserer Nachbargebäude. Der Schulhof lag auf der anderen Straßenseite vor unserem Hof. Wir spielten Fußball, Schleuderball und Völkerball. Es wurden auch die Disziplinen Laufen, Hoch- und Weitsprung und Werfen geübt. Das Reck stand auf der anderen Seite der Schule und der Barren im Klassenraum. Unser Lehrer war zu meiner Zeit Herr Hermann. Er war nicht nur ein Sportfan, er lehrte auch die deutsche Grammatik „bis zum geht nicht mehr“. Das war wohl auch sehr nötig, denn die Hauptsprache außerhalb der Schule war „Pommersch Platt“. Rechnen, besonders Kopfrechnen, lernten wir aus dem ff. Neben Geografie, Geschichte, Heimatkunde, Raumlehre und Zeichnen brachte er uns auch die Musik nahe, wobei wir nicht nur gesungen haben, sondern auch das Noten schreiben lernten. Bei schönem Wetter hatten wir Naturkunde – Unterricht im Freien. Das war immer besonders interessant: lernten wir doch die Pflanzen (alle Gräser und Wildblumen) kennen. Im Wald lehrte er uns die essbaren von den giftigen Pilzen zu unterscheiden; im Schulgarten pflanzten wir Gemüse und Blumen an, mussten sie hegen und pflegen und durften danach auch ernten.

Ich bin auch heute noch der Meinung, er verstand es sehr gut seinen Unterricht für uns interessant zu gestalten. Es gab nur eine Klasse. Das hatte für die jüngeren den Vorteil, dass wir dem Unterricht der älteren Schüler beiwohnten und schon vieles im Voraus in unsere kleinen Köpfe aufnehmen konnten vorausgesetzt: wir interessierten uns dafür. Mir hat das immer Spaß gemacht und ich habe Herrn Hermann vieles zu verdanken.

Schularbeiten machte ich grundsätzlich frühmorgens. Ich war Frühaufsteher im Gegensatz zu meiner Schwester Ingrid. Die blieb immer bis zur letzten Minute im Bett liegen und rannte quasi von der Waschschüssel zur Schule hinüber, unterwegs die Zöpfe flechtend.

In der großen Pause gingen wir gemeinsam zu uns nach Hause zum Frühstücken. Da gab es Butterbrot mit Rübensirup oder selbstgekochte Marmelade und frische Milch dazu.

Die Schule vom Gasthof Pigorsch/Seddig aus; auf dem Bild: "Kreigersch Oma"
Ingrid und Brunhilde Seddig hatten es gar nicht weit: im Hintergrund steht die Schule

Gaswirtschaft Seddig (ehemals August Pigorsch)

Gasthof und Gastwirtschaft des August Pigorsch (später SEDDIG) zur Kaiserzeit (s. Fahne) mit Ausspann, Saal mit Bühne, Gaststube, Tanzveranstaltungen, Festlichkeiten aller Art, Theater- und Filmvorführungen, Skat- und Schachmeisterschaften, Versammlungen; Kolonialwarenhandlung zur Versorgung der Dorfbevölkerung mit Waren des täglichen Bedarfs

Hochzeit und Silberhochzeit im Gasthof Pigorsch

Schachspielen

Foto: GSchiewer; Von links: Herbert Warnoch, Walter Pigorsch, Berthold Manzke, Edith Pigorsch, Wilhelm Seddig, Gargallen Alfred, Birschen Fritz, Gargallen Fritz; stehend: Birschen Gerhard (Schiewer) im Gasthaus von August Pigorsch, nun Ferdinand Pigorsch

Dorfgemeinschaft 1930, Aufzeichnung: Walter Pigorsch

Familie Czirr war Nachbar der Familie Seddig. Auf dem Bild Gerhard Czirr vor seinem Haus. "Ewig hillt nischt," säid dei ull Czirrsch o schmeet dei nie Kaffeekann. Im Hintergrund: Paul Röske, der Pächter der Gastwirtschaft PIRR.

B E S I T Z V E R H Ä L T N I S S E und G R U N D S T Ü C K S G R Ö S S E N mit EW

aus PAGEL, 1937, S 996, 172 VIETKOW

GESANGVEREIN ALT- GUTZMEROW - NEUGUTZMEROW - VIETKOW

1 Hoppe, 2 August Marschke (Chorleiter), 3 Paul Greunke, 4 Max Wentz, 5 Georg Wentzlaff, 6 Kurt Schiewer, 7 Richard Hoppen, 8 Paul Borchardt, 9 Helmut Wegner
Musiklehrer August Marschke, Ingrid und Brunhilde Seddig

Roggenernte in Zietzen

1936, das Bild finden Sie auch mit Namen in der HP von Simone Wenzl-Musch Wendisch Silkow

ERNTEFEST 1936 oder 1937

Foto: GSchiewer; Erntefest 1936 oder 1937

Namenliste

zu“ Erntefest 1936 oder 1937“

 

1 Ernst Schiewer, 2 Erich Zorr, 3 Reinhard Eick, 4 Erika Eick, 5 Lipken Paul, 6 Erika Schneider (mit Erntekrone), 7 Berthold Manzke (?), 8 unbekannt, 9 Fritz Schiewer, 10 Marta Masch (?), 11 Edith Schiewer, 12 unbekannt, 13 unbekannt, 14 Gerda Küttner (?), 15 Ehrengard Eick, 16 Egon Schiewer, 17 Anneliese Reetz, 18 Hilde Kleinert mit Sohn, 19 unbekannt, 20 unbekannt, 21 Helmut Wegner, 22 Dora Eick, 23 unbekannt, 24 Irmgard Zorr, 25 unbekannt, 26 „Bahnhofsfrieda“ aus Zietzen, 27 Else Martelock (?), 28 Kurt Schiewer, 29 Paul Reetz, 30 unbekannt, 31 Gerhard Czirr, 32 Edith Pigorsch, 33 Walter Pigorsch, 34 Frau aus Vierchenzin mit 35 Gottfried Schiewer, 35a unbekannte Familie, 36 Ulrich Birr (?), 37 Hubert Tschirr, 38 Elmar Tschirr, 39 Ilse Masch, 40 Helmut Schiewer, 41 Waltraud Reetz, 42 Erich Czirr, 43 Erika Dirla, 44 Leo Czirr, 45 Änne Schiewer, 46 Fritz Reetz, 47 Brunhilde Seddig  

Hier startete die Erntekrone (Kropp, Karlshof)

Foto: MSchiewer; Vom Ortsteil KARLSHOF (Kroppen Ausbau) kommend wurde die Erntekrone duch das Oberdorf zum Unterdorf (Gastwirtschaft August Pigorsch) getragen, wo der Tag mit Essen, Trinken Tanzen ausklang

"Striedke - Mäkes": Kronenträgerinnen, Glückwunschbringer

Foto Manfred Pollex; 1 Klicken Erich, 2 Gerhard Czirr, 3 Muskn Willi (Pollex), 4 Birschen Käthe, 5 Pataren Ruth (Warnoch), 6 Birschen Grete (Muskn, Pollex), 7 Lipken Lenchen

DIE GLIENZ - der Dorfteich gestern und heute

Die Glienz

Stawischen Alfred erinnert sich:

„Der Teich hatte zwei Tiefen: Während der Teil an der Straße sehr tief ausgeschaufelt war,  damit der von der Straße mit dem Regenwasser hineingebrachte Sand sich hier ablagern konnte, war der größte Teil doch recht flach. Wenn der Schlamm in dem tiefen Bereich die Grube gefüllt hatte, fuhren die Bauern mit ihren Kastenwagen hinein und schaufelten die Grube aus. Den Schlamm fuhren sie dann auf die kargen Felder zur Düngung.

Überschüssiges Regenwasser wurde in einem Graben an Griechens (Fritz) Häusern vorbei in die Wiesen geleitet (parallel zur Straße – die Drift -). Auf dieser Wiese befand sich der Fußballplatz, auf dem wir bei Lehrer Hermann ab und an Ballspiele machten.

Im Teich gab es keinerlei Fische, das Wasser war nicht zum Baden geeignet, weil es auch durch Enten und Gänse verschmutzt wurde. Gelegentlich tranken Manzkes Kühe das Teichwasser.

Bei Bedarf wurden die Pferdewagen im Teich gewaschen.

Auf der Ostseite des Teiches befand sich die Schmiede, Schmied Richard Heratsch.

Das Vergnügen für die Dorfjugend fand auf dem zugefrorenen Teich im Winter statt.

Wir hatten ein kreisrundes Loch ins Eis gehackt. Eine Stange wurde in den Teichboden gerammt und dann spielten wir Karussell. Wenn man nicht aufpasste, fiel man ins Wasser, was zwar ärgerlich, aber nicht gefährlich war, denn das Loch war schlauerweise an der flachen Stelle geschlagen worden, so dass alle stets darauf warteten, dass jemand klitschnass nach Hause musste. Einmal war Lehrer Hermann mit uns Schülern zum Schlittschuhlaufen gegangen. Helmut Schiewer war so wild auf den Teich gerannt, dass er sofort ins Eisloch fiel. Für ihn endete das Vergnügen unter schallendem Gelächter und raschem Heimgang.

Wir spielten gegen die Virchenziner Jungen Eishockey und verloren haushoch. Dann haben wir geübt wie die Wilden und gewannen schließlich auch.

Mit dabei:

Siegfried Eick

Griechens Kurt und Fritz

Lipken Franz (ist später weggezogen)

Ich erinnere mich auch noch an

Pigorschen Erhard.“

 

Als Meine Großeltern 1947 aus Vietkow ausgewiesen wurden, brachte meine Großmutter mir die Schlittschuhe meines Onkels (Erhard) mit nach Schleswig – Holstein. Natürlich waren sie einem 8- jährigen Steppke viel zu groß, aber: Trotz der dauernd abgerissenen Hacken – die Opa immer wieder irgendwie befestigte – war ich glücklich damit.

 

 

Zbigniew M.:

 

Bemerkungen zur Glienz heute:

 

„Ein Stein des Anstoßes ist auch der Zustand der „Glienz“. Der Dorfteich ist im Laufe der Jahrzehnte eutrophiert, verschlammt und zugewachsen, da das Gewässer auch als Kläranlage genutzt wird. Angeprangert wird auch der schlechte (fehlende) Zaun, so dass für Kinder eine Gefahr des Ertrinkens bestehe.“

Foto: Walter Pigorsch
Vorlage für den Kunstdruck von Ingrid Seddig: Im Hintergrund die Schmiede; Schmiedemeister Richard Heratsch (Schmedsch Richard)
Schmedsch Richard; Foto: MSchiewer (Ausschnitt)
Foto: MSchiewer; Der Dorfteich, hinten links, Anwesen der Familie Manzke, die Kinder: Marga Schiewer und ihre Kusine Erika
Foto: MSchiewer; Gänse hüten am Dorfteich
Foto: MSchiewer; Die kleineren Kinder hatten feste Aufgaben zu denen das Gänse hüten zählte. So lief man mit ihnen durch das Dorf und die Fluren nah am Haus

Alle Jahre wieder....Alfred Schiewer stellt seine Rupfmannschaft vor

Foto: MSchiewer; Zum Winter, wenn die Gänse fett waren, wurde gemeinsam reihum geschlachtet. Geräucherte Gänsebrust und Gänseschmalz; "Gänseklein" (Flügel, Füße, Innereien) schmeckte mit Steckrüben gekocht vorzüglich. Für die kalte Jahreszeit wurden viele der Fleischteile eingeweckt. Die Federn kamen in die Betten; auch die großen Federn wurden "gestribbelt" verwendet.Von links: Alfred Schiewer, seine Frau, meine Großmutter, Tante Hedwig, meine Mutter
Foto: GPigorsch; Der Teich von der Schmiede aus Okt. 2008: eutrophiert (Wasserlinsendecke)
Foto: GPigorsch; Der Teich rechts von der Straße ins Unterdorf -die DRIFT: zugewachsen mit Rohrkolben

DIE ORTSTEILE VON VIETKOW

Das Unterdorf

Familien an der Unteren Dorfstraße

"Stawisch" (Stauwiese) Anwesen des Bürgermeisters Reinhold Schiewer und seiner Familie; Zeichnung: Alfred Schiewer 1976
Im Hintergrund: Der Hof des ehemaligen Bürgermeisters Reinhold Schiewer (Stawischen Reinhold)

Alfred Schiewer 1936

Stawischen Mama, dei Knittfru, übernommen mit Genehmigung von Manfred Pollex aus seiner HP http://www.manfred-pollex.de/

Wiedergefunden

Nach dem Krieg und einigem Hin und Her landete unsere Familie in Radebeul bei Dresden. Ich erinnere mich, dass uns oft eine alte Frau besuchte, die auch aus Pommern war. Sie war die „Knittfru“ und wurde „Stawischen Mama“ genannt. Immer wenn sie zu uns kam, packte sie ihr Strickzeug aus und sprach mit meiner Mutter von „Tuss“. Sie konnte stricken ohne groß hinzusehen, die Nadeln wirbelten nur so. Wer Stawischen Mama wirklich war, wusste ich damals noch nicht. Sie starb am 23. Mai 1958 in Glehn /NRW im Alter von 70 Jahren.
Im Jahre 2004 besuchte ich meine Verwandten in Solingen und erfuhr, dass im Ort ein Alfred Schiewer wohnt. Meine Mutter ist eine geborene Schiewer, also war ich neugierig und besuchte ihn. Wir hatten uns viel zu erzählen, denn er stammte wie ich aus Vietkow. Ich erzählte auch von meinen früheren Erinnerungen an Stawischen Mama. Da wurde Alfred auf einmal ganz hellhörig. Es stellte sich heraus, vor mir saß der Sohn von Stawischen Mama, die Frau des Bürgermeisters von Vietkow, Stawischen Reinhold (Schiewer). Na, das war eine Freude! Alfred, Jahrgang 1924, hat mich mit Fragen förmlich überschüttet, er wollte alles ganz genau von seiner Mutter wissen und machte sich eifrig Notizen. Ja, so war das.
Hast Du auch mal jemand aus Deiner alten Heimat wieder getroffen?

Der Feuerlöschteich im Unterdorf

 

Ging man von der Gastwirtschaft Seddig/Pigorsch auf der unteren Dorfstraße in Richtung Bachdonk, lag rechter Hand auf der Wiese von Klick ein kleiner Teich mit den Ausmaßen 12x15 Meter. Dieses Wasserloch war einst entstanden, als man anmoorige Erde für die Verbesserung der recht sandigen Gartenerde aus der Stauwiese holte. Das Wasser war etwa 80 Zentimeter tief und wurde von den Kindern als Bademöglichkeit genutzt.

Noch vor dem Kriege baggerte man das Loch auf Mannshöhe aus, um den Teich als Löschteich für das Unterdorf nutzen zu können.

„Im Winter konnten wir Kinder dann prima auf dem Eis schliddern. Wir nahmen Anlauf von der Straße aus, den kleinen Hang hinunter und auf den mit Koppeldraht benagelten „Hultdüffeln“ über den Teich. Einige Kinder hatten sogar richtige Schlittschuhe,“ erzählt Alfred Schiewer.

Das Oberdorf vor 1945

Höfe, Familien und Arbeit im Oberdorf

SCHIEWER

Alle Bilder der Familie M. Schiewer sind Eigentum der Familie. Jedwede Verwendung bedarf der schriftlichen Genehmigung des Eigentümers. Kontakt über diese HP.

Foto: MSchiewer; Familie Gerhard und Anna Schiewer mit ihren Kindern Martin (hinten), von links: Marga, Enny und Adelheid

Anmähen

Foto: MSchiewer; Im Hintergrund: Kroppen Ausbau; davor "die Anmäher": von links oben Anna Schiewer, neben ihr vermutlich Bertha Pigorsch, Müller Gruhlke, Hedwig Schiewer, Hanne Reetz, mit dem Hut: Karl Pirr, Gastwirt

Kartoffelernte

Foto: MSchiewer;
Foto: MSchiewer; Auf dem Hof von Gustav Schiewer(direkt an der Dorfstraße): Der Großvater mit seinen Enkeln Martin und Enny beim Hühner füttern

BACHDONK

KARLSHOF. (Kroppen Ausbau)

FAMILIE PAUL KROPP

Paul Kropp; Bildausschnitt: MSchiewer
seine Tochter

Karlshof heute: verschwunden

LUPINENBERG

Lupinenberg: Mit 30,5 Metern die zweithöchste Erhebeung in Vietkow
Rückblick vom Lupinenberg zum Oberdorf
ehemalige Hofeinfahrt zum Anwesen von Familie Pigorsch
Vom Unterdorf am Friedhof vorbei zum Lupinenberg
Bild: L. Pigorsch; 1Gudrun, 2 Wächter, 3 Oma Bertha, 4 Opa Albert, 5 Lothar; weitere Personen: eine wegen der Bombardements auf Berlin in "Landurlaub" verschickte Familie (bei uns eiquatiert)
Lageskizze: Weiden, der Bachlauf durch Viehtritt verändert

Auf dem Lupinenberg lebte die Familie des Straßenwärters Albert Pigorsch mit Ehefrau Berta, geb. Reetz, deren Söhne Walter und Erhard und die Ehefrau von Walter, Edith, geb. Driese mit ihren Kindern Lothar und Gudrun Pigorsch.

Das Ehepaar Albert und Berta sowie ihr Sohn Erhard bewohnten das neuere Haus und Walter mit Familie das alte Fachwerkhaus, das „Alma“ genannt wurde, weil Erhard es von „einer Tante Alma“ (?) geerbt hatte.

Die Kleinbauernstelle warf trotz der Magerwiesen und Grenzertragsböden sowie der geringen Größe so viel ab, dass alle dort leben konnten. Das setzte voraus, dass man sparsam, genügsam und erfindungsreich war.

Die Grundversorgung konnte mit 1 Pferd, 3 Kühen, 2 Schweinen, 2 Schafen und vielen Gänsen, Enten, Hühnern sowie Puten sichergestellt werden. Selbst angebautes Obst und Gemüse waren ein wesentlicher Bestandteil der Ernährung. Für den Winter musste Obst getrocknet, entsaftet und Gemüse eingeweckt werden. Sirup wurde zum Süßen eingekocht. Steckrüben, Wurzeln, Kohl, Porree und vor allem Kartoffeln wurden eingemietet oder „eingeschlagen.“ Da erst gegen Ende des Krieges elektrisches Licht zur Verfügung war, mussten Kerzen und Petroleumlampen Licht bringen. Die Kerzen wurden selbst hergestellt, ebenso Seife, Bier,  Stärkemehl, Brotgetreide, Brot, Kuchen, Backobst, Wurst, Schinken und Pökelfleisch. Milch, Dickmilch, Quark und Butter bildeten die Grundlage der Ernährung.

Es wurde neben den Getreidearten auch Lein angebaut, um Leinöl und Flachs zu haben, um zu spinnen, zu weben und Geschirrtücher, Handtücher Betttücher und Kleidung herzustellen. Die Großmutter hatte nicht nur auf dem Felde, sondern auch im Stall, im Garten in der Küche und auf dem Hof  reichlich Arbeit; im Winter musste geschlachtet, eingeweckt, geräuchert sowie gesponnen, gewebt, gefärbt, gestrickt und genäht werden.

Natürlich halfen die anderen – auch die Kinder – nach Kräften und Zeit mit. Was nicht allein zu bewältigen war, wurde in Zusammenarbeit mit den Nachbarn des Dorfes gemacht: Ernten, Dreschen, Brennholzbeschaffung, Torf stechen und aus dem Selesener Moor holen.

Man kann es sich kaum noch vorstellen, dass dann auch noch Zeit für Oma Berta blieb, wunderbare Gerichte zu kochen, wobei z. B. die Fische erst einmal aus Groß Garde zu Fuß geholt werden mussten. Diese Wanderung war aber immer damit verbunden, dass die Kinder ebenfalls dorthin laufen mussten, denn sie wären sonst unbeaufsichtigt gewesen: Opa auf der Chaussee, Vater und Onkel im Krieg, Mutter bei der Arbeit (zu Haus oder bei Nachbarn).

Alles in allem: wir hatten was man braucht und waren reich! Reich an menschlicher Nähe, reich an Erfolgserlebnissen,  reich an Erfahrungen, die wir austauschten bei Zusammenkünften beim Gänse- und Entenrupfen, Spinnen, Weben, Backen, Brauen und auf Familienfesten oder anderen Veranstaltungen im Dorf.

Obwohl allein wohnend, waren die Lupinenberger ein fester Teil der Dorfgemeinschaft.  

ONKEL ERHARDT

Erhardt Pigorsch

war 11 Jahre jünger als sein Bruder Walter. Die beiden Brüder waren total verschieden veranlagt. Während Walter ein draufgängerischer Egoist mit schneller Auffassungsgabe war, der alles und jedes ausprobieren und durchsetzen musste, wobei er den Dorfkameraden zeigen wollte, wie man auch als Mitglied der „armen Pigorschs“ Fahrräder demolierte oder Pferde tot ritt, war Erhard ein ruhiges, freundliches und hilfsbereites Familienmitglied, das in der Landwirtschaft seinen Mann stand.

Walter war bereits aus der Schule entlassen, als sein Bruder Ehrhard die Schulbank drückte. Ganz selbstverständlich fragte er deshalb seinen großen Bruder um Rat.

Als Erhard einmal einen Aufsatz schreiben sollte, der sich um die Gemüsearten im Garten drehte, ließ Walter ihn schreiben: In unserem Garten wachsen Bohnkanen, Peiterzilljen und Järmelen. Da diese Bezeichnungen aber aus der plattdeutschen Sprache kamen, die ja bei Pigorschs üblicherweise gesprochen wurde, schöpfte Erhard keinen Verdacht und fiel natürlich im hochdeutschen Schulunterricht auf die Nase. Sein Bruder Walter konnte sich über diesen Geniestreich bis ins hohe Alter schütteln vor Lachen.

Da mein Vater Walter während meiner Kindheit meistens nicht auf dem Lupinenberg zu finden war (Lehrzeit, Soldatenzeit), war Erhard mein Vorbild und „großer Bruder“, der mir viele schöne Erlebnisse bereitete. Da er sehr sportlich war, durfte ich mit ihm auf dem Lenker sitzend oft kurz vor dem Mittagessen eine Runde über Erlental, Alt Gutzmerow, Neu Gutzmerow und Vietkow drehen, wobei dann oft eine Wettfahrt mit dem Zug die Krönung war. Die Straße führt von dort nach Neu Gutzmerow parallel zur Bahn. Hier musste Erhardt dann so schnell fahren, dass wir den Zug überholen konnten. Ich habe mir die Kehle heiser geschrien, bis der Lokführer aus seinem Fenster hing und  mit der Dampfpfeife unseren Sieg verkündete. Ich lernte mit seinem Rad das Radfahren (rechtes Bein unter der Stange durch, Wade in der schmierigen Kette).Von Erhardt bekam ich auch meine ersten Stelzen und lernte den Start von der an das Haus gelehnten Leiter. Manchmal, wenn ich oben auf der Leiter war, stemmte er sie hoch und balancierte mit mir. Er passte auf, dass mir nichts geschah.

Im Krieg wurde E. oft verwundet und lag dann im Lazarett. Eines Tages kam Oma Berta aus dem Kuhstall gelaufen und rief laut „Erhardt, Erhardt!“ Sie ging langsam in Richtung Hohlweg und begann zu weinen. „Nun ist er tot“, sagte sie und ging wieder zum Melken.

Wir haben nie wieder etwas von ihm gehört.

 

 

 

Handskizze von den Gebäuden auf dem Lupinenberg
Katasterzeichnung 1926

Hochzeit von Edith Driese und Walter Pigorsch

 

Edith Pigorsch, geb. Driese lebte im Hause der Familie Seddig (Gastwirtschaft August Pigorsch).

Oma Berta führte ein strenges Regiment, hatte viele Aufgaben zu erfüllen. Wenn Edith nicht so wollte, wie sie sollte, flog auch schon mal eine „Hultdüffel“ in ihre Richtung. Erschwerend kam hinzu, dass sie sich in den Sohn der armen Pigorschs verliebt hatte, den sie „auf keinen Fall heiraten sollte“.

Zu Pfingsten 1936 war es dann so weit, dass es einen Riesenkrach gab, der dazu führte, dass sie über den Lupinenberg zu Albert und Bertha Pigorsch flüchtete. Die beiden und natürlich auch ihr Geliebter Walter Pigorsch nahmen sie daher mit offenen Armen in Empfang.

Was war der Anlass:

Der Vater der Kusine, Wilhelm Seddig, war im März verstorben.

Die Mutter (Witwe G. Seddig) weilte in Schmolsin, um die Dienstwohnung ihres verstorbenen Ehemannes (Polizeibeamter) aufzulösen. Großmutter Berta Pigorsch war allein im Hause, um die Arbeit  in der Gastwirtschaft sowie im Stall zu bewältigen. Man kann sich gut vorstellen, wie die Stimmung auf dem Siedepunkt ankam, als dann auch noch klar wurde, dass trotz aller Argumente gegen eine Verbindung der beiden Brautleute, die Hochzeit auf den 2. Juni (gleich nach Pfingsten) angesetzt war. Hinzu kam, dass man so früh nach einem Todesfall nicht heiraten durfte. Im vergangenen Jahr (August 1935) war ebenfalls ein Todesfall zu beklagen gewesen: Opa August Pigorsch (Inhaber der Gastwirtschaft Pigorsch) war verstorben.

Die Hochzeit fand statt und zwar ohne die reichen Pigorschs. Lediglich Tante Mike  und Onkel Hermann (Freunde des Hauses Seddig aus Stolp) waren bei den Feierlichkeiten anwesend.

Wenn man sich das Hochzeitsfoto näher betrachtet, fallen sofort die „Kratzer“ auf. Nach der Ursache befragt, bekam ich folgende Auskunft von meiner Großkusine: “Sicher war das Foto 3x und mehr gefaltet.“

Naja.

 

1 Paul Reetz, 2 Renate Tschirr, 3 Johanne Reetz, 4 Anneliese Reetz, 5 Unbekannte Berlinerin, die nur Schokolade aß, 6 Klicken Erich, 7 Tante Mike, 8/9 Wilhelm Tschirr und Ehefrau, 10 Elmar Tschirr, 11 Waltraud Reetz, 12 Fritz Reetz, 13 Opa Albert Pigorsch, 14 Edith Pigorsch, geb. Driese, 15 Walter Pigorsch, 16 Oma Bertha Pigorsch, geb. Reetz, 17 Hubert Tschirr, 18 Irene Tschirr, 19 Werner Czirr, 20 Onkel Hermann

Wohnhaus der Familie Albert Pigorsch, 1941

Lothar Pigorsch mit Großkusine Ingrid Seddig und "Wächter", 1941
Überreste des Wohnhauses der Familie Albert Pigorsch, Foto: Oktober 2008
Blick vom Lupinenberg.....
.....zum Erlenhof
Vom Lupinenberg zum Sedelbach
Apfelbäume bei Alma

ERLENTAL: Leben im Moor

FAMILIEN EICK, (Buhrschiewere)

Erlenbestand auf Flachmoortorf: Hier lebten die Familien EICK

Besitzverhältnisse

aus Pagel, 1937, S. 996, Nr. 172 VIETKOW

Familie Karl EICK, Paulschen

Hofbesitzer

Paul Martin Gustav

EICK

heiratet

Martha Emilie Auguste

PAASCH

Kind

Hildegard Erika Dorothea

EICK

Kind

Helene Emma Marie

EICK

Kind

Erika Käte Hermine

EICK

Hildegard Erika Dorothea

EICK

heiratet

Sigfried

MANZKE

Kind

Paul

Manzke

Kind

Hildegard 

Manzke

Kind

Brigitte

Manzke

Helene Emma Marie

EICK

heiratet

Berthold

MANZKE

Kind

Ulrich

Manzke

Erika Käte Hermine 

EICK

heiratet

Emil

MANSKE

Kind

Daten liegen vor, Anfragen werden weiter geleitet

DER FRIEDHOF

3 Bilder von Jaroslaw Dabrowski, http://www.cmentarze_slupsk.republika.pl/witkowo.html

Ohne Wertung lässt sich folgendes feststellen:

Der Friedhof in Vietkow ist restlos zerstört und somit sind auch die Grabstellen und das Ehrenmal für die Gefallenen des 1.WK verschwunden.

Es existieren aus der Zeit vor dem 2. WK nur noch ein paar Fotografien und wenige Trümmer der Grabsteine.

Die Umrahmung der Gräberstätte, die vormals aus Rotfichten bestand (siehe Bild „4 Frauen auf dem Steert“ der Bockmühle VOLL), hat sich zu einem urwaldähnlichen Gestrüpp mit neu hinzu gekommenen Waldkiefern, Ahorn und Ulmen entwickelt. Efeu durchrankt die Bäume und überzieht teilweise den Boden. „Die Zuwegung ist auf der Nordseite mit Steinen begrenzt; der größere Teil des Friedhofes (nördlich der Zuwegung) ist nicht mehr vorhanden (s. Plan).

Es sind auch keine Grabumrandungen zu finden“. (aus dem übersetzten Text von:

http://www.cmentarze_slupsk.republika.pl/witkowo.html )

 

 

Kurt Schiewer

Der bisherige Beitrag zu Kurt Schiewer wurde wegen einer Fehlinformation aus meiner Seite heraus genommen. Sein Sohn Edmund Schiewer hat mich aufgefordert, eine Berichtigung vorzunehmen.

 

„Hiermit möchte ich dich bitten, die Formulierung Kurt Schiewer hatte eine Pistole in der Hand“ abzuändern, denn das stimmt nicht, ich war dabei, als er durch die Russen abgeholt wurde. Ich war erst 6 Jahre alt, habe aber immer noch das Bild vor Augen, wie man meinen Vater abgeholt hat. Ich weinte und wollte ihn festhalten, aber meine Oma zog mich aus Angst, ich würde auch mitgenommen werden, zurück. Mein Vater hatte die Pistole vorher in die Jauchengrube geschmissen und sich dann auf dem Heuboden versteckt. Die Russen kamen mit 2 Lastern auf unseren Hof gefahren, haben uns mitten auf dem Hof zusammen getrieben und meinen Opa aufgefordert meinen Vater zu rufen, der sich ja auf dem Stallboden versteckt hatte. Als mein Vater hörte, dass man uns erschießen würde, wenn er nicht käme, kam Kurt Schiewer mit erhobenen Händen über den Hof und wurde auf den Lastwagen verfrachtet. Außer ihm wurden weitere 7 deutsche Soldaten, die „Stundenurlaub“ hatten, festgenommen und abgefahren. Wir hörten mehrere Schüsse, die außerhalb des Dorfes fielen. Am Nachmittag  haben wir Kinder die 8 Toten gefunden. Sie lagen außerhalb des Ortes hinter einem Strohdiemen. Da es keine Särge gab, wurde mein Vater in ein Bettlaken gewickelt und auf dem Friedhof von Vietkow unter einem großen Baum begraben. Ich durfte nicht mit zu der Beerdigung und wurde eingesperrt. Ich kam mit Hilfe eines Lakens aus dem Fenster und schlich zum Friedhof, wo ich die Beerdigung aus meinem Versteck heraus beobachten konnte.

Dieses beruht aus der Wahrheit.

Ich würde es gerne sehen, wenn dein Beitrag gelöscht oder revidiert wird, denn ich kann das nicht so hinnehmen".

Edmund Schiewer

Grabstätten der Familie Pollex: auf dem Bild Herta Pollex

Hinweis:

Auf dem Gebäudeplan „Lupinenberg“ ist eine Sandgrube eingezeichnet. Ich erinnere mich, dass an der Abbruchkante in der oberen (etwa 80 cm) – Schicht viele Flaschen und Gläser zum Vorschein kamen sowie Eisenteile, die mein Großvater Albert beim Pflügen aus dem angrenzenden Acker sammelte und an den Feldrand bei der Sandgrube warf. Er erklärte, dass hier einmal wohl ein Friedhof gewesen sein müsste, denn es waren Scharniere und Sarggriffe, die da zum Vorschein kamen. Die Flaschen und Gläser waren wohl die Blumenvasen zu der Zeit.

 

 

Ehrenmal für die Gefallenen des 1. WK

Denkmal für die Gefallenen des 1.WK in Vietkow
Gefallene des 1.WK 1914-1918 Namentafel 2. Korr., weitere Überprüfungen erforderlich

Anmerkungen zur Ehrentafel

Keine Auf- und Abrechnung, sondern MAHNUNG

 

Auszug aus der Dorfchronik:

„Interessant ist noch, zu lesen, was die Chronik über den 1. August 1914 schreibt: “Man hat uns das Schwert in die Hand gedrückt und will unser liebes Deutschland von allen Seiten bestürmen. Das hat jeder sofort erkannt und deshalb ging auch ein Sturm der Begeisterung durchs ganze Land bis ins kleinste Dorf hinein. Auch in unserem Dorfe rückten gleich 52 Mann aus. Die Mobilmachungsorder wurde an beiden Gasthäusern und an Gustav Schiewer sein Tor angeschlagen. Alle strömten zusammen und lasen. Kriegslustige Gesänge durchschallten den Ort. Frauen und Mädchen weinten. Von Verwandten wurde schnell Abschied genommen. An Schlafen war nicht mehr zu denken. Noch mußte dem Nachbar die Sorge ums Haus und Hof anvertraut werden. Dann ging es los - mitten in der Nacht - zum Bezirkskommando nach Stolp. Franz Hasse fuhr mit einem Leiterwagen und nahm außer Reservisten auch gleich zwei Kriegsfreiwillige mit. Nämlich seinen Sohn Richard Hasse und Paul Reetz, bei 18 Jahre alt.”

Der gefallene Walter Pigorsch ist mit mir nahe verwandt.

Paul Reetz war mein Großonkel und Richard Hasse war sein 17-jähriger Freund.

Was die Politik aus den Ackerbauern gemacht hat, geht aus der Beschreibung des Chronisten deutlich hervor, aber was sie hätte tun müssen, dass Krieg verhindert wird, bleibt im Dunkel.

Das, was zum 1 WK führte und den 2. WK mit noch größerer Beteiligung möglich machte, geschieht weltweit bis heute mit immer jünger werdenden „Kriegern“.

Die „Welle“ (s. auch den Film) kann jederzeit überall ausgelöst werden. Es zeigt sich eines:

Die Menschen werden manipuliert und missbraucht.

Wenn man nun dem fehl geleiteten Menschen Paul Reetz die Daten entzieht, die ihn als den Angehörigen einer großen Familie eindeutig beschreiben und ihm die Ehre des An - ihn – Denkens verweigert, kann es ihm letzten Endes gleichgültig sein, nicht aber den Angehörigen und den Familienforschern, die ihn nicht mehr einordnen  und Lehren daraus ziehen können.

Jeder, der sich mit ihm beschäftigt, erfährt nun auch einen Teil von „der Wahrheit“, ohne die Frieden nicht möglich ist. Namenlose Tote bewegen niemanden, weil sich niemand betroffen fühlt.

Wer Daten von Gräbern und Denkmalen entfernt und archiviert – zu welchem Zweck auch immer – behindert die Wahrheitsfindung, die zu Einsichten führt.

Siehe auch:

 

http://www.denkmalprojekt.org/d_ost_gebiete/vietkow_wk1_pom

 

 

 

 

 

 

 

 

OTTO DRIESE - ERBAUER DES EHRENMALS IN VIETKOW

Carl Otto Reinhold Driese

Carl Otto Reinhold Driese hatte Stepper gelernt und als Uniformnäher seinen Lebensunterhalt verdient. Dann lernte er Margarete Pigorsch kennen. In Berlin hatten sie geheiratet und dort sollte auch das Kind zur Welt kommen. Während der Geburt seiner Tochter Edith verstarb seine Ehefrau Margarete im Krankenhaus in Berlin. Was sollte Otto Driese mit dem Kleinkind nun tun?

Er brachte das Kind nach Vietkow zur Familie der Schwester der Frau, Gertrud Pigorsch. Da auf dem Dorfe für ihn keine Möglichkeit bestand, im erlernten Beruf seinen Unterhalt zu bestreiten, wurde er beauftragt, das Ehrenmal für die Gefallenen des 1. WK zu gestalten. Nach getaner Arbeit verließ er dann das Dorf Vietkow und arbeitete in Berlin, wo er eine zweite Ehe einging. Edith wurde von ihrer Tante adoptiert und aufgezogen.